Unsere Geschichte seit 1897

Jubiläum 125 Jahre

 

 

 

 

Entstehung

 

Am 14. März 1897 fanden sich 94 Bobinger im Gasthaus „Zum Hirsch“ ein und gründeten den Bobinger Darlehenskassenverein. Ob alle Geburtshelfer sich darüber im Klaren waren, welche Bedeutung diese neue Institution bekommen sollte, mag dahingestellt sein. Sie hatten, wie in anderen Orten auch, erkannt, dass eine eigene, selbständige Ortsgenossenschaft die wirtschaftliche Entwicklung am besten voranbringen kann. Einer für alle, alle für einen, war und ist das tragende Motto der Genossenschaftsidee. Gerade um die Jahrtausendwende und im Aufbruch in das 20. Jahrhundert war sie das Fundament einer neuen Unternehmensform.

 

 

 

Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888)

 

Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde am 30. März 1818 in der Westerwaldgemeinde Hamm in eine kinderreiche Familie als siebtes von neun Kindern geboren. Vater Gottfried Friedrich Raiffeisen, der bald darauf starb, war dort Landwirt und zeitweilig auch Bürgermeister. Dessen Vorfahren stammten aus dem schwäbisch-fränkischen Raum. Mit siebzehn Jahren begann Friedrich Wilhelm nach Schulbesuch und Privat- unterricht eine militärische Ausbildung, die ihn nach Köln führte, später nach Koblenz und Sayn. Ein chronisches Augenleiden unterbrach jäh die Karriere des aufstrebenden Artillerie-Offiziers.

 

Raiffeisen trat nun in die zivile Verwaltung über. 1843 wurde er nach Mayen in der Eifel als Kreissekretär an das dortige Landratsamt versetzt, zwei Jahre später nach Weyerbusch im Westerwald. Hier stand er einem Verwaltungsbezirk mit 22 kleinen Gemeinden als „Amtsbürgermeister“ vor und gründete eine Familie mit der Apothekerstochter Emilie Storck aus Remagen. Von den sieben Kindern aus dieser Ehe überlebten nur vier. Schon 1848 ging es weiter nach Flammersfeld, wo Raiffeisen 33 Gemeinden zu betreuen hatte. Vier Jahre später wurde er in der Funktion des Amts- bürgermeisters nach Heddesdorf bei Neuwied versetzt. Hier verstarb 1863 seine Frau im frühen Alter von 37 Jahren. 1868 heiratete Raiffeisen in zweiter Ehe die Witwe Maria Panserot, nachdem er 1865 47jährig wegen seines stark fortgeschrittenen Augenleidens in den Ruhestand ging. Die folgenden Jahre bis zu seinem Tod waren jedoch ausgefüllt mit der Arbeit an seinem Lebenswerk, den ländlichen genossen- schaftlichen Selbsthilfeorganisationen.

 

Das mittlerweile weltumspannende Werk Raiffeisens nahm 1846 seinen Anfang, als ihn Missernte, Hungersnot und Wucher in den ihn unterstellten Gemeinden dazu veranlassten, einen „Verein für Selbstbeschaffung von Brot und Früchten“ zu gründen. 1849 folgte der „Flammersfelder Hilfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte“ und 1854 der „Wohltätigkeitsverein für den Verwaltungsbezirk Heddes- dorf“. Diese Aktivitäten Raiffeisens, geprägt von tiefer christlicher Religiosität, waren Zusammenschlüsse auf kreativer Grundlage. Begüterte Vereinsmitglieder unterstützten ärmere Mitbürger, die selbst nicht Mitglied waren. Das Prinzip der Fremdhilfe brachte jedoch keinen dauernden Erfolg und so baute Raiffeisen fortan auf Selbsthilfe.

 

Mit Gründung des Darlehenskassenvereins Anhausen 1862 und des Darlehenskassen. vereins Heddesdorf 1864 war die künftige erfolgreiche Genossenschaftsform unter dem Motto „Einer für alle, alle für einen!“ geboren. Als 1866 Raiffeisens Buch „Die Darlehenskassen-Vereine“ erschien, breitete sich seine Idee der genossenschaftlichen Hilfe zur Selbsthilfe schnell über das ganze Deutschland und die europäischen Nach- barstaaten aus. Nach seinem Vorbild entstanden alsbald auch Obst-, Kellerei-. Milchverwertungs-, Viehzucht- und ähnliche landwirtschaftliche Bezugs- und Absatz- genossenschaften, auch Elektrizitäts- und Wasserwerke, Kindergärten etc.

Die Auszählung ließe sich mühelos fortsetzen, bedenkt man, dass Raiffeisens Gedankengut heute auf allen Kontinenten Fuß gefasst hat und immer auf die spezifischen Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten wurde.

 

Raiffeisen widmete sich im „Ruhestand“ mit allen Kräften dem Ausbau seines Genossenschaftswesens. 1869 gründete er die übergeordnete „Rheinische landwirt- schaftliche Genossenschaftsbank“. Diese sollte zwischen den einzelnen Darlehens-kassen Ausgleich schaffen, denn manche hatten mehr Geldmittel, als sie ausgeben konnten, zur Verfügung, andere wiederum litten an Geldmangel. Weitere Schritte waren 1876 „Landwirtschaftliche Darlehenskasse für Deutschland“ in Neuwied – später „Deutsche Raiffeisenbank“ und 1877 der „Anwaltschaftsverband ländlicher Genossenschaften“, aus dem später der „Generalverband der deutschen Raiffeisen- genossenschaften“ hervorging. Ab 1879 erschien das „Landwirtschaftliche Genossen- schaftsblatt“, herausgegeben von Raiffeisen. Als erste überregionale Warenzentrale für seine Vereine rief er 1881 die Handelsgesellschaft „Raiffeisen & Consorten“ ins Leben. So konnte er auf ein ausgefülltes Leben im christlichen Sinne zurückblicken, als er am 11. März 1888 siebzigjährig in Neuwied verstarb.

 

 

 

Die erste Verwaltung 1897

 

Vorstand: Josef Jaufmann, Ökonom (Vorsteher)

Alois Schnell, Müllermeister (stv. Vorsteher)

Georg Bobinger, Schuhmachermeister

Klemens Krebs, Ökonom und Gastwirt

Remigius Oberdorfer, Ökonom

 

Aufsichtsrat: Johann Happach, Pfarrer und Kapitelskämmerer (Vorsitzender)

Johann Haggenmüller, Kunstmühle (stv. Vorsitzender)

Johann Dreier, Ökonom

Alois Geirhos, Ökonom

Josef Anton Krebs, Ökonom

Johann Nepomuk Egger, Müller

Roman Fehle, Wagenmeister

Mathias Schenk, Zimmermeister

 

Rechner: Anton Kohler, Landwirt

 

 

Verschmelzungen mit der Raffeisenbank Bobingen eG

 

1943 Straßberg

1969 Oberottmarshausen

1969 Reinhartshausen-Burgwalden-Hardt

1992 Inningen

1999 Großaitingen-Wehringen

 

 

 

Einschneidende Ereignisse

 

1914 bis 1918 - Erster Weltkrieg

1923 Hyperinflation (Mark)

1924 Währungsreform (Reichsmark)

1929 Weltwirtschaftskrise

1939 bis 1945 - Zweiter Weltkrieg

1948 Währungsreform (Deutsche Mark)

2002 Währungsumstellung (Euro)

 

 

 

Geschäftsanwesen in Bobingen

 

1897 Hochstr. 29 – „Mayrhof“ des Rechners Anton Kohler

1901 Augsburger Str. 7 – Pfründehaus des „Bäuerle-Hofes“

1924 Poststr. 21 – Anwesen des Rechners Anton Geirhos

1939 Hochstr. 14 – Anmietung von der Familie Eisenschmid

1955 Hochstr. 22

1971 Hochstr. 22 - Erweiterungsbau

1986 Hochstr. 11

 

 

 

Verwaltung 1897 bis 2022

 

Aufsichtsratsvorsitzende

1897 – 1906 Happach Johann, Pfarrer

1906 – 1918 Holzmann Franz, Pfarrer

1918 – 1920 Geirhos Alois, Bürgermeister

1920 – 1932 Brugger Alois, Pfarrer

1933 – 1953 Müller Oskar, Pfarrer

1953 - 1960 Jaufmann Josef Dr., Oberstudiendir. i.R.

1960 – 1980 Amann Albert, Oberamtmann

1980 – 1988 Gast Franz, Diplomkaufmann

1988 - 2006 Fritz Georg, Rektor

2006 – 2015 Weigell Rudolf, Richter am Oberlandesgericht

2015 – 2019 Stellinger Franz, Bürgermeister / Steuerberater

2019 – heute Reiter Harald, Richter am Bundesgerichtshof

 

Vorstandsvorsitzende / Vorstandssprecher

1897 – 1923 Jaufmann Josef, Landwirt

1923 – 1931 Krebs Georg, Landwirt

1931 – 1941 Kohler Mathias, Landwirt

1941 – 1962 Holzhauser Xaver, Landwirt

1962 – 1969 Dreier Johann, Landwirt

1969 – 1988 Haas Josef, Landwirt

1988 – 1999 Bauer Otto, Geschäftsleiter

1999 – 2019 Fröchtenicht Hans-J., Geschäftsleiter

2018 – heute Zuber Thomas, Geschäftsleiter

 

Rechner und Geschäftsführer / -leiter

1897 – 1910 Kohler Anton, Landwirt, Rechner

1910 – 1923 Kohler Mathias, Landwirt

1924 – 1950 Geirhos Anton, Landwirt

1950 – 1977 Balleis Josef, Geschäftsführer

1977 – 1999 Bauer Otto, Geschäftsleiter

1999 – 2019 Fröchtenicht Hans-J., Geschäftsleiter

1978 – 2002 Stölzle Helmar, Geschäftsleiter

1992 - 1995 Leinauer Xaver, Geschäftsleiter

2002 – heute Rott Albert, Geschäftsleiter

2018 – heute Zuber Thomas, Geschäftsleiter

 

 

 

 

Quelle: Jubiläumsschrift 100 Jahre Raiffeisenbank Bobingen eG und eigene Aufzeichnungen